MANTELTARIFVERTRAG IG METALL NRW URLAUBSGELD

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Hätten sich die Parteien 1962 trotz der Schwierigkeiten auf einen Rahmen zur Regelung der Lohnverhandlungen ohne Streiklage einigen können, wäre 1963 nicht das Jahr der längsten und umfangreichsten Arbeitskämpfe in der westdeutschen Nachkriegsgeschichte gewesen. Im Mittelpunkt des Streits in der Metall- und Elektrotechnik stand erneut die Region Nordwürttemberg/Nordbaden, so dass Willi Bleicher wieder im Mittelpunkt der Ereignisse stand. Die Arbeitgeber, vertreten durch ihren Verband Gesamtmetall, kamen mit der Forderung nach einem Lohnstopp, einer Verschiebung der geplanten Arbeitszeitverkürzung, die durch weitere Verhandlungen auf nationaler Ebene, die Einführung längerer Zeiträume zwischen den Lohnrunden als ein Jahr und die Durchführung verbindlicher Schlichtungsverfahren im Rahmen des Lohnverhandlungsprozesses festgelegt werden soll. [11] Im darauffolgenden Jahr verabschiedete die Landesspitze der IG Metall erneut eine Politik der Lohnzurückhaltung. Die sogenannte “Frankfurter Vereinbarung” vom 16. August 1969 sah eine Erhöhung der Löhne und Gehälter der Beschäftigten im Metallsektor um 8 % und eine Verbesserung des jährlichen Urlaubsanspruchs vor. Auch der Schutz von Gewerkschaftsfunktionären und Jugendvertretern wurde bundesweit vereinbart. Otto Brenner sah darin einen großen Durchbruch der Gewerkschaft, aber viele sahen darin einen mageren Ausgleich für die enttäuschende Lohnerhöhung, die wieder für eine 18-monatige Amtszeit und nicht für die traditionelle Zwölfmonatsfrist gelten sollte. Willi Bleicher, unterstützt von der Mehrheit der Lohnkommission in Baden-Württemberg, lehnte den nationalen Kompromissvertrag als völlig unzureichend ab, konnte die unionsführende Runde aber nicht aus seiner Sicht überzeugen. Im Eisen- und Stahlsektor konnte das Abkommen, das Anfang 1968 in Kraft getreten war und nicht vor September 1969 neu verhandelt werden konnte. [11] Am Ende waren die in den letzten Monaten des Jahres 1967 nach monatelangen Verhandlungen vereinbarten Lohnerhöhungen auffallend moderat. Erstmals seit vielen Jahren ging das Lohnniveau “Realgeld” (inflationsbereinigt) in der IG Metall-Branche zurück. Es war wenig tröstlich, daß die Löhne in der gesamten Wirtschaft 1967 um 1,6 % und 1968 um 1,0 % zurückgingen.

Gleichzeitig erreichten in der Region Nordwürttemberg-Nordbaden viele Beschäftigte eine Neuklassifizierung ihrer Arbeitsplätze, was das enttäuschende Niveau des Gesamtanstiegs kompensierte. Die Parteien einigten sich auch grundsätzlich darauf, das Grundniveau in der Region Stuttgart zu gewährleisten. Die Kürzungen der Bonusniveaus konnten nur mit Betriebsratsvereinbarungen ergänzt werden, was im Gesamtkontext der Verhandlungen in diesem Jahr einen relativen Erfolg darstellte. [11] Ende 1971 kam eine letzte Gelegenheit auf Bleichers Schreibtisch, einen Arbeitskampf gegen die Arbeitgeber seitezuführen – diesmal bundesweit. In diesem Jahr waren die Arbeitgeber entschlossen, vor nichts zu verbleiben, um sich den Forderungen der Gewerkschaften zu widersetzen. Ihr Verband Gesamtmetall koordinierte ihre Verhandlungen in den verschiedenen Verhandlungsregionen und bemühte sich erfolgreich, dass ihre Ortsverbände eine harte Linie gegen die Gewerkschaften einschlagen. Die angebotene Erhöhung sollte höchstens 5 % betragen. Unter keinen Umständen sollte irgendwo ein höheres Angebot gemacht werden. Dagegen hatte die lohnkommission der IG Metall im August 1971 Leitlinien für das einheitliche – nationale – Tarifgebiet vorgelegt, das eine Erhöhung um 10,5 bis 11,0 Prozent vorsieht.

[11] Die zaghaften Positionen, die die Gewerkschaften Ende der 1960er Jahre in Lohnverhandlungen einlegten, führten zu einem Vertrauensverlust bei den Mitgliedern, einschließlich eines Vertrauensverlustes in die IG Metall. Seit 1966 hatte es eine Reihe von vereinzelten “Wildkatzenstreiks” gegeben, aber erst im September 1969 führte die Unzufriedenheit der Arbeitnehmer, insbesondere in der Eisen- und Stahlindustrie, aber auch anderswo im Metallsektor, im Textilsektor und im öffentlichen Sektor zu einer Reihe spontaner Arbeitsniederlegungen.

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